– Das Ungleichgewicht des Schreckens

Die enorme Vermögensumverteilung zu Gunsten der 10 %igen "Oberschicht" hat tatsächlich dazu geführt, dass die Einkünfte einer Hartz-IV-Familie nur geringfügig unter denen einer vergleichbaren Familie mit vollzeitig arbeitenden Ernährern liegen. Ein missachtetes Lohnabstandsgebot droht wirkungslos zu werden und noch mehr Menschen zornig die Arbeit hin­schmeißen zu lassen. Es ist kennzeichnend – und erwartungsgemäß –, dass neoliberale Kreise mit diskrimi­nie­render Eloquenz den schwindenden Abstand nicht etwa durch Anheben des Lohnniveaus, sondern durch Senkung der Hartz-IV-Bezüge wiederherstellen wollen, was eigentlich wieder in die Verfassungswidrigkeit führen muss.

Werden die herrschenden Eliten ihrer Vorbildfunktion und Verantwortung gerecht?
Ursachen (von 10% der Bevölkerung ausgehend)
 Arbeitgeber, Banker, Politiker (Akteure)
 Herrscher-Status
 Horror-Aktivisten
 Hoheit über Arbeitsplätze
 Profitmaximierung durch Stellenabbau
 Peter Hartz, Rot-Grün, Schwarz-Rot, Schwarz-Gelb
 Gewinne: privatisiert
 unangemessene Gehälter, Boni, Optionen, Abfin-
 dungen (hoher leistungsfreier Einkommensanteil)
 Skandalöse Belohnung von Missmanagement
 Hochkrimineller Steuerbetrug
 Gigantische Sozialhilfe für Oberschicht:
 z. B. Konjunkturprogramme, Steuererleichterungen
 z. B. Deutschlandfond, Subventionen usw.
 Steuerbelastung nicht substanziell
 Schmiergelder untereinander: "Normaler Vorgang"
 Position: "Redlich erarbeitet!" (???)
Wirkungen (für die "restlichen" 90%)
 Arbeitnehmer (Reakteure)
 Untertanen-Status
 Horror-Passivisten
 Grundrecht auf Arbeit wird verwehrt
 Arbeitslosigkeit
 Hartz IV-Gesetze
 Verluste, Krisen: sozialisiert
 Dumping-, Niedriglohn + Hartz IV statt Mindestlohn
 (= minimierter leistungsfreier Einkommensanteil)
 schikanöse Entlassungen bei Bagatellen
 Kleinkrimineller Steuerbetrug
 Diskriminierte Sozialhilfeempfänger
 Zorn und Demotivation
 Rachegelüste (Anarchie ist immer eine Reaktion!)
 Steuerbelastung meist substanziell
 Sonderzahlungen: "Werden doch nur versoffen!"
 Position: "Selbstverschuldet!" (???)
 

Da aber das Gesamtvermögen nicht nur überaus ungleich, sondern überaus ungerecht verteilt ist, bleibt für solidarisch, sprich sozial agierende Volksvertreter nur der Abschied vom Sozial-Dumping der Niedriglöhne, bleibt nur die Einführung eines generellen Mindestlohns und – einer generellen Vergütungs-Obergrenze. Auch wenn dies den "Leistungsträgern" nicht gefällt, die von der Krise als ausgesprochen leistungsdefizitär entlarvt wurden.

Doch Merkel und Westerwelle wollen aus der Krise nicht lernen, sondern sie nochmal riskieren, damit doch bitte, bitte wieder die Steuerquellen sprudeln. Und damit dies gelingt, wurden die – streng genommen kriminellen – hoch­riskanten windigen Bankgeschäfte von der Bafin wieder erlaubt, wurden die Verursacher bisher mit Samthandschuhen angefasst, ja wahrscheinlich ganz aus der Haftung entlassen, damit sie nicht verärgert die Kumpanei bei dem üblen Revival verweigern. So, wie sie schon solide Kaufmannsethik geheuchelt und nach dem Knall stur die Kreditvergaben gedrosselt haben – trotz BB-Minimalzinsen. Nein, die volltrunkenen Crashfahrer behalten ihren Führerschein, werden gleich wieder hinters Lenkrad gesetzt, aber "streng" gerügt: "Ihr habt den Karren gegen die Wand gefahren, jetzt müsst ihr zur Strafe weiterfahren!" Die große Masse der gemeinen Bevölkerung aber muss den Gürtel enger schnallen, Gemeinsinn üben (Merkel) und den Schaden der Hasardeure schultern.

"Westerwelle! Sie haben sich als keifender Obersekundaner zum Esel der Nation gemacht. Schreiben Sie mal einen Aufsatz über die allegorische Sentenz "Der Hoffart sitzt der Bettel auf der Schleppe". Wenn Ihnen dabei keine befriedigende Benotung gelingt, ist Ihre Versetzung gefährdet! Setzen!"

Westerwelle will ganz offensichtlich davon ablenken, dass Einschnitte nicht im unteren sondern oberen Bereich der Einkommensverhältnisse dringend erforderlich sind.

Wer die obige Tabelle aufmerksam und gutwillig einsieht, sieht den schwarz-gelben Balken als Symbol der gesellschaftlichen Spaltung und erkennt einige kausale Verkettungen zwischen Krankheitsherden und Symptomen, sieht das staatlich geförderte und unverhältnismäßige Ungleichgewicht, sieht vielleicht den Handlungsbedarf. Es ist aber zu fürchten, dass die schwarz-gelbe Brille die empathische Sehkraft schwächt.

Zusammenfassend ist zu erwarten, dass der von Merkel schon unter Schwarz-Rot gewollte Verteilungstrend bei seiner Fortsetzung fast zwangsläufig zu einer bedrohlichen Zunahme der Soziallasten führt mit all den angedeuteten Misslichkeiten. Und warum nur "fast"? Man könnte sich von der noch verfassungsrechtlich geschützten Menschenwürde bei der Versorgung der Mittellosen und Mittelarmen verabschieden und den Betroffenen honigsüß die Wonnen und den Ansporn der Armut predigen.

Nachtrag vom 22.03.2013:

Zitat aus der Süddeutschen Zeitung:
Zur Debatte über die „spätrömische Dekadenz“ sagte Westerwelle, wenn er gewusst hätte, was die beiden Wörter bewirken würden, hätte er sie vermieden. Er habe nicht etwa Menschen kritisieren wollen, die ein schweres soziales Schicksal hätten. Die Debatte habe sich aber verselbständigt. „Darüber gräme ich mich heute noch“, sagte der FDP-Politiker.

Anmerkung: Kein Kommentar

Zitat Westerwelle/11.02.2010: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“

Siehe auch Kommentare zu Westerwelles Äußerung

 

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