Thema: Olympia 2008 – die Blamage – da schau’n mer besser weg!

 
Olympia 2008 ist tot.
 

Geld und unterhaltsame Ablenkung sind

offenbar wichtiger als Menschenrechte!

Auch viel wichtiger als Pressefreiheit!




9 Tage vor der Spieleeröffnung:
China verweigert den 25.000 akkreditierten Journalisten den freien Internetzugang!

China diktiert und die restliche Welt pariert? Wie lange lässt sich der Westen noch vom Rechte brechenden China und einem unfähigen IOC vorführen? Kann noch deutlicher bewiesen werden, dass China sehr viel zu verbergen hat?! Und dass das IOC Olympia verrät, den Bach runtergehen lässt?!
Näheres hier.


EU-Kommissarin Ferrrero-Waldner (Mitte März 2008):

“Die Olympischen Spiele können nach meiner festen Überzeugung nur in einem Umfeld stattfinden, das den olympischen Geist widerspiegelt. Dazu gehört die Respektierung der Menschenrechte ebenso wie die uneingeschränkte Respektierung der Meinungs- und Pressefreiheit.”



eu-kommissarin ferrero-waldner (ende märz 2008):

nach dem eu-außenministertreffen in brdo hörte sich die kommissarin merkwürdig kleinlaut an:

“mit einem olympia-boykott sollten wir uns zeit lassen. wir sollten erst einmal beobachten, wie sich china gegenüber tibet verhält!”

Offenbar hatte man Frau Ferrero-Waldner in Brdo gesteckt, wie viel Geld in die Vorbereitung der olympischen Schau geflossen ist, welche Milliardenbeträge allein das IOC für die Vergaberechte kassiert hat. Und die chinesische Regierung könnte doch zürnen und Aufträge verweigern! Nur so ist die Wandlung einer ehrlich empörten Politikerin zur kapitalhörigen Funktionärin verständlich!

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Olympia-Boykott

Ja, mit der Zeit kommt das Vergessen und die Gier nach den Spielen überwiegt. Nur sollten wir dabei nicht vergessen, dass in Tibet und China auch unser Recht auf die Einhaltung der Menschenrechte verteidigt oder verspielt wird. Es geht den Organisatoren, Funktionären nicht um Sport und Völkerverständigung, sondern nur um ihre Plansollerfüllung. Und China hat diese Maschinerie gründlich geschmiert! (Siehe: “olympischer Ungeist”, “Athleten Olympia 2008″, “Hurra! …”)

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Wer dient wem?

Dem olympischen Gedanken der freundschaftlichen Annäherung und Verständigung der Völker durch sportliche Spiele der Jugend sollten alle Teilnehmer an diesen Spielen dienen:
Das austragende Land, die teilnehmenden Staaten, Athleten, Zuschauer, Geschäftsleute, Medien.

Leider ist es umgekehrt!
Die olympischen Spiele dienen den Geschäftemachern, dem austragenden Land, den teilnehmenden Staaten, Athleten, Zuschauern und Medien mit ihren jeweils vorherrschenden und zumeist nicht sportlichen Interessen. Die Spiele sind nur Feigenblatt und Zugnummer im business.

So kommt es, dass trotz schwerer Verletzung, Vergiftung des Leitgedankens die Interessengruppen weitermachen. Ja ihre egoistischen Ziele können sie auch gut ohne olympische Ethik weiterverfolgen. Wen stört denn die Leiche im Keller, wenn oben die Party dröhnt? Und der Minimalethik wird genügt, wenn man heftig darüber diskutiert, ob man der Eröffnungsfeier fernbleibt oder nicht. Die toten Spiele zu boykottieren, ist unökonomisch und nur das zählt!

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Ein Wort zum Sport oder: Nur der Sport, den du selbst betreibst, ist für dich Sport!

Deutschland ist eine sportbegeisterte Nation, solange es ums Zuschauen geht. Und da gibt es ja wahrhaftig genug zu schauen von der Bundesliga über die Tour de France bis hin zu den Olympischen Spielen. Aber was dort zu sehen ist, hat mit Sport nur entfernt zu tun! Hochleistungssport hat mit Sport ungefähr so viel zu tun wie Volltrunkenheit mit einem gemütlichen Abend bei Bier oder Wein. Und diesem Sport-Extremismus auch noch zuzugucken, ist Sport-Voyeurismus und trägt zur eigenen Ertüchtigung (Körper, Seele, Geist …) nichts, aber auch gar nichts bei!

Sport ist der Sport, den ich selbst betreibe, die Morgengymnastik, der Waldlauf (von mir aus Jogging und von mir aus auch Gehen mit den albernen Nordic-Stöcken!), das Bolzen mit den Kindern, das Brötchenholen ohne Zündschlüssel, das Tischtennismatch im Hinterhof, der Sport im Verein, das Schattenboxen usw. usf.

So gesehen, verpasst man ohne die unzähligen “Sport”-Ereignisse eigentlich nur unnatürlich und im Sado-Maso-Stil hochgezüchtete, zu oft gedopte und kommerzielle oder kommerzgeile Figuren. Und mit dem Kommerz stirbt der Sport!
Insofern ist Olympia 2008 bereits mausetot: Gestorben an Politik-Versagen und Kommerz-Wucher.



Die Blamage ist perfekt

Jetzt erlässt China eine ganze Reihe von Verboten und Verhaltensmaßregeln für die Olympiateilnehmer, damit nicht das wahre Gesicht des Polizeistaats in alle Welt übertragen wird. Jegliche Demonstration, alles, was an der Fassade kratzen könnte, habe zu unterbleiben. Und unser Duckmäuser IOC-Vize Bach betet brav die chinesischen Forderungen herunter: Wenn schon die Menschenrechte für China nicht als Vorschriften gelten, dann soll sich wenigstens die Welt bei den Spielen an Chinas Vorschriften halten!



Die EU duckt sich weg

Nun, Frau Ferrero-Waldner, Sie hatten Zeit genug, zu beobachten, wie sich China verhält! Zufrieden? Haben Kritiker in China heute mehr Chancen, um eine 10-jährige Gefängnisstrafe herumzukommen, wenn sie sich über Schikanen beschweren? Werden heute politische Meinungsäußerungen gegen China toleriert? Genügt es, während der Spiele Fabriken stillzulegen, damit für die 16 Olympia-Tage die Luft etwas sauberer wird und danach der Umweltschutz nur noch einen Dreck interessiert?

China hat sich ein riesiges Aufbauprogramm vorgenommen. Respekt! Auch die westlichen Staaten haben in ihrer Gründungszeit keinerlei Rücksicht genommen, nicht auf die Menschen, nicht auf die Umwelt! Da sollte sich niemand allzu sehr in die inneren Angelegenheiten Chinas einmischen. Aber dann dürfen olympischen Spiele nicht in Länder wie China vergeben werden! Dieser Irrwitz ist der eigentliche Skandal. Olympische Spiele 2008 in einem Land, das die Ansprüche auf Menschenrechte je nach Bedarf um einige 100 Jahre zurückdreht.

Augen zu – Ohren zu – Mund zu: Olympia 2008 in der Höhle des chinesischen Drachens!

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Andere Meinungen: Süddeutsche Zeitung Magazin

Dr. Dr. Rainer Erlinger
Die Gewissensfrage

»Kann ich guten Gewissens die Olympischen Spiele im Fernsehen ansehen, wo ich doch weiß, dass beim Bau der Sportstätten unzählige Arbeiter unter für Menschen unwürdigen Bedingungen arbeiten mussten und den Tod fanden? Bekomme ich nicht schon beim Benützen der Fernbedienung ›blutige Finger‹?«

Geht es hier um Olympiaboykott? In gewissem Sinne ja, denn das Phänomen Olympische Spiele hat zwei Seiten: das Treffen der »Jugend der Welt«, genauer der Spitzensportler, und das mediale Großereignis. Der klassische Olympiaboykott betrifft die Athleten. Die entschieden sich dagegen, auch mit der Begründung, dass der Sport sich von der Politik nicht vereinnahmen lassen dürfe. Ein lauterer Ansatz, der aber nur trägt, solange das noch nicht eingetreten ist – worüber man streiten könnte –, und der spätestens seit den Erfahrungen von 1936 bestenfalls naiv wirkt.

Denn daneben steht das mediale Großereignis, das wirtschaftlich wie politisch, je nach Sichtweise, genutzt oder missbraucht wird. So richten sich die Austragungszeiten einiger wichtiger Wettkämpfe nicht nach den besten Bedingungen vor Ort, sondern nach den teuersten TV-Werbezeiten in den USA. Und Chinas Regierung setzt die weltweite Aufmerksamkeit für ihre politischen Ziele ein; man denke nur an den Fackellauf durch Tibet oder die mit ungeheurem Aufwand betriebene Selbstdarstellung »vor den Augen der Welt«.

Dazu gehört neben der mitunter brachialen Unterdrückung jeglicher Regimekritik auch die Inszenierung in architektonisch bemerkenswerten, aber eben teilweise mit Menschenleben teuer erkauften Sportstätten.

Das IOC hat sich in vollem Bewusstsein dieser Umstände für die Vergabe nach Peking entschieden. Damit hat es die Spiele auch diesen Zwecken zur medialen Verfügung gestellt. Und zu denen trägt jeder einzelne Zuseher seinen Teil bei, denn die mediale Verwertung funktioniert nur durch die Summe der Nutzer – die so zudem Einfluss auf künftige Entscheidungen haben. Insofern macht man als Zuseher mit und holt sich tatsächlich blutige Finger an der Fernbedienung.

1. August 2008