Thema: Evolution oder Schöpfung (Kreationismusdebatte)

Ist diese Konfrontation wirklich ernst gemeint? Ist sie nicht nur ein Ablenkungsmanöver geldkräftiger und machtgieriger Gruppierungen, die mit diesem Pseudogefecht die Aufmerksamkeit uninformierter, aber wahlberechtigter Massen von ihren wirklichen Zielen ablenken wollen. Ablenkung mithilfe der Emotionen, die der Entzug eines nicht gereiften Kinderglaubens freizusetzen fähig ist? Ein Kreuzzug, bei dem wieder einmal Hab- und Machtgier die eigentlichen Triebfedern für den Kampf gegen Vernunftgläubige sind? Ich bin sicher, dass es sich so verhält. Aber immer wieder taucht dieses Thema in den Medien auf, erhält unangemessenes Gewicht durch "prominente" Verkünder und gar Gerichtsverhandlungen, in denen z. B. darum gefochten wird, die biblische Genesis aus dem Religions- in den Biologie-Unterricht zu verpflanzen. Meines Wissens fordern diese Evolutionsgegener aber noch nicht, den Religionsunterricht in die naturwissenschaftlichen Fächer zu integrieren.

Nun sollte sich der aufgeklärte und denkende Bürger – gläubig oder nicht – dadurch auszeichnen, eine wissenschaftlich begründete Überzeugung, Erkenntnis nicht apodiktisch zu proklamieren, sondern sie geduldig zu erläutern und damit zu verbreiten. Ein Versuch:

Es ist eine Erfahrungs-Tatsache, dass die Wesen, die mit dem Aufkeimen eines Ich-Bewusstseins zu Menschen werden, hinter oder über allen unerklärlichen Erscheinungen der Umwelt und ihres Innenlebens eine unfassbare, aber umso unheimlichere Macht vermuten, die genau so denkt und handelt, wie sie selbst. Wie die Horde, der Stamm, das Volk es seit jeher von ihren Autoritäten kennen: Eltern – die ersten Götter eines jeden Menschen – Lehrer, Anführer, Stammeshäuptling loben bei Erfolg und Wohlverhalten, strafen bei Misserfolg und Fehlverhalten. Da alles menschenmögliche Bemühen dennoch den schrecklichen Donner des nächsten Gewitters, die nächste Dürre oder Heuschreckenplage nicht verhindern kann, verspürt der Mensch das Bedürfnis, die unsichtbaren Mächte – genannt "Götter" – durch persönliche Opfer, Verehrung und Anbetung milde zu stimmen.

Ja, die Menschen bzw. ihre Anführer haben die Götter und den Aberglauben daran geschaffen, um sich so ihre Ängste "wegglauben" zu können, um imaginierte, über alle Zweifel erhabene Ansprechpartner zu haben. Sie haben ihre Götter als überhöhte Ebenbilder des menschlichen Erfahrungsbereichs erdacht. Und noch heute schimpfen durchaus intelligente Erwachsene darüber, "wie denn Gott ein Unrecht, Verbrechen, Missgeschick … zulassen könne"! So wie Menschen in ihrer anthropozentrischen Denkweise dazu neigen, das Verhalten von Tieren zu vermensch­lichen, ihnen alle möglichen und manchmal unsinnigen menschlichen Fähigkeiten zu unterstellen, sind sie auch naiv genug, ihren Haus-Gott, das erklärtermaßen unvorstellbar, unbegreiflich Höchste sich dennoch vorzu­stellen, zu begreifen, indem sie ihn auf Menschenmaß reduzieren und verbildlichen – damit die einfachen Gemüter, die "Schafe" etwas Konkretes vor Augen haben. Sie betreiben damit – in der Terminologie der Gotteslehren – Götteslästerung!

"Wie sonst solle man sich denn Gott vorstellen", fragen sie empört, schließlich seien in den Kirchen und demzufolge im Elternhaus, in der Schule diese Gottesdarstellungen gang und gäbe. Es sei doch so wichtig, so hilfreich, mit Gott wie mit einem guten Menschen reden zu können.

Die Antwort heißt: Gar nicht! Es ist unmöglich, sich "Gott" in irgendeiner Weise vorzustellen oder gar ihn abzubilden, zu schnitzen, aus Stein zu hauen! Einen Gott, den wir uns vorstellen können, gibt es nicht. Es ist kein Gott, wenn er vorstellbar wäre! Wir sollten uns kein Bild von Gott machen…. Gibt es überhaupt einen Gott? Ich bin ganz sicher, dass es keinen Gott gibt, weiß es aber nicht, niemand weiß es! Aber wenn wir an alles glauben würden, was wir nicht wissen …?

Das ist Wahrheit und ich denke, die Wahrheit des Agnostizismus ist bescheidener, ehrlicher und humaner als alle Lügen und Legenden, die von gewissen Institutionen – gegen Bezahlung – um die vermeintliche Götterwelt heute noch gewunden werden. Diese Gotteslüge ist zwar für den chronisch angstgeplagten, auch für den einsichtigen aber bequemen Menschentyp willkommen und ist dabei sehr profitabel für die weiter und weiter Lügenden, ist aber in meinen Augen der größte Missgriff, die schwerstwiegende Fehlentwicklung der Menschheit, ein humanitäres Verbrechen, welches bis heute unzählig viele Gräuel nach sich zieht und weiter ziehen wird! Ein Verbrechen, das schon vor vielen hundert Jahren von den großen und größten Denkern – auch aus unserer Mitte – erkannt und abgemahnt worden ist, das aber fort und fort überliefert und mit allen(!) Mitteln verteidigt und sogar vom Staat üppigst subventioniert wird: süßes Narkotikum für die abhängigen Menschen, Sicherung der Volksbeherrschung durch Machthaber: Kirche, Staat und Großfinanz. Die zynische Feststellung "mundus vult decipi – ergo decipiatur!", taugt sicher nicht als Rechtfertigung. Das Verbrechen der permanenten Lüge (Desinformation) begann zu den Zeiten, als erkannt wurde, dass hinter Blitz und Donner kein zorniger Gott, sondern eine Naturerscheinung wirkt, dass der Olymp und andere Gebirge und Berge keine sakrosankten Heimstätten von Gottwesen, sondern geologisch erklärbare Formationen der Erdkruste sind, dass die Erde nicht, wie man aus der Bibel herauslesen könnte, Zentrum des Universums, sondern ein vergleichsweise unbedeutendes Partikelchen in einer Galaxie ist, und diese wiederum ein vergleichsweise unbedeutendes Partikel von Milliarden weiterer Galaxien.

Diese Erkenntnisse haben den Geltungsbereich der Kirchen mehr und mehr zurückgedrängt und wurden daher den Kirchengläubigen vorenthalten. Von Natur aus abergläubisch, wurden sie nicht Schritt für Schritt aus den Zwängen dieser Geisteshaltung herausgeführt, vielmehr wurde diese mit dem bizarren Konstrukt eines anderen, nämlich des kirchlichen Aberglaubens weiter und weiter bedient. So konnten nur wenige unabhängige Weiter­denker die kritische Gottesfrage stellen und der Kirche eine Abfuhr erteilen. Doch diese versteht es bis heute meisterlich, ihre Gegner vor dem hörigen Kirchenvolk zu verunglimpfen, ihre Existenz zu bedrohen oder zu vernichten. Kritik wurde und wird auch heute bis zur Bedeutungslosigkeit herabgeschwindelt. Denn es geht der Kirche um viel Macht, viel Geld. Und Feindesliebe gilt der Kirche nichts! Ein reformierter Religionsbegriff mit dem einzig maßgeblichen Leitgedanken der Humanität, ohne Jenseits-Vertröstungen, ohne kirchlichen Feudalismus, ohne Hokuspokus und all dem Spektakel hätte ohne die klerikalen Verhinderer schon vor vielen Jahrhunderten entstehen können. Und somit eine Religion, die allgemeine Menschenrechte befolgt – im Gegensatz zu unserer Hlg. Kirche – und ein hohes Maß an Geborgenheit, Vertrauen und liebevollem Umgang vermittelt hätte. Aber die Bemühungen um die erste Charta der Menschenrechte konnten nach dem Gesagten selbstverständlich nicht kirchlichen Ursprungs sein! Und bis heute hat der Vatikan die Allgemeinen Menschenrechte nicht anerkannt!

Wenn diese Erde durch uns Menschen mehr und mehr verödet oder zerstört wird, wird kein Gott zürnen oder weinen: Wir und nur wir haben dann die Chance vertan, unsere Hausaufgaben vernachlässigt. Hatten aber Fähigkeiten und Möglichkeiten, uns die Erde untertan zu machen, das heißt, sie in ihrer Gesamtheit – vom Stein bis zum Menschen – so pfleglich zu behandeln, wie man sich das von einem "guten Regenten" gegenüber seinen Untertanen wünscht und wie das immer und immer wieder Menschen von ihrem Gott erbeten, wenn es um ihre Wünsche und Sehnsüchte geht …

Die naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse, Errungenschaften, Güter wurden und werden noch heute von den Religions-Profiteuren nur dann anerkannt, wenn eben der Profit dies gebietet. Alle mit Wissenschaft und Technik lebenden und arbeitenden Gruppen unserer Gesellschaften haben keine Probleme mit Heliozentrik oder Evolution. Und selbst, wenn einem HighTech-Unternehmen die Evolutionstheorie relativ gleichgültig sein könnte, hat es vielleicht wegen der nicht mehr wegzudenkenden Bionik doch ein gesteigertes Interesse an Darwins "Die Entstehung der Arten". Der Staat hält sich einerseits zurück, weil er nicht erst seit der Globalisierung um eine bestmögliche Erziehung und Bildung seiner Bürger bemüht sein müsste. Andererseits finanziert er die Kirchen mit ihrer Demokratie- und Vernunft-Feindlichkeit, mit ihrem Legenden-Unterbau ganz entschieden mit, da oben erwähnter Nutzeffekt besteht.

Die Kirchen haben einst all das ihr unangenehme wissenschaftliche Erkenntnissgut wegen des drohenden Machtschwunds und ihrer heraufdämmernden Überflüssigkeit mit Mord und Totschlag bekämpft und erst dann anerkannt, nachdem es einfach nicht mehr wegzuleugnen war (sprich: jedes Schulkind damit vertraut war und die Spatzen begannen, es von den Dächern zu pfeifen). Sie verhielten und verhalten sich somit wie Verbrecher, die nur das zugeben, was die Strafverfolger eh schon wissen und beweisen können. Nachdem das heliozentrische System wissenschaftlich bewiesen war, hat die Kirche noch 200 Jahre die Anerkennung verweigert: Waren doch die Volksmassen weitgehend analphabetisch, sie sollten diese und andere Wahrheiten nicht wissen, sollten weiter nur auf das Kanzelwort hören. Dieses Kanzelwort wiederum war und ist je nach politischem Trend tendenziös, unterstützt auch die Angriffskriege eines Hitler als eines "Gottgesandten"! Diese Kirchen und ihr nahestehende Gruppierungen (Politik, Kapital, Adel) haben aus genannten Gründen heute noch höchstes Interesse an jeder Renaissance oder Reanimation von Legenden und Lügen, statt diese auf ihre eigentliche Bedeutung bzw. den wahren Kern zu reduzieren oder – abzuschaffen.

Nun, auf diesem Feld spielt sich der ungleiche Streit zwischen bibelwortgläubigen Anhängern des Kreationismus und vernunftgläubigen Vertretern der Evolutionstheorie ab, die von Darwin begründet, von Mendel genetisch untermauert und durch unzählige weitere, zuletzt auch molekularbiologische Forschungen wissenschaftlich bestätigt ist. Die Evolutionstheorie hat sich seit Darwin vom revolutionären Entwurf zum integrierten Bestandteil unseres Allgemeinwissens gewandelt. Sie erweitert ihre Gültigkeit in analoger Weise mit der Memetik auch auf die Entwicklung, die "Evolution" geistiger Modelle. Soll denn ernsthaft wissenschaftliche Evidenz vor Wahnvorstellungen das Knie beugen?

Es ist mir fast peinlich, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen. Und wieder stellt sich mir die argwöhnische Frage, wer forciert die Kreationismus-Bewegung in den USA, in Europa? Wer hat ein Interesse daran, an den wirklich wichtigen Fragen vorbei die unmittelbare Erschaffung des Menschen gegen die Evolution ins Feld zu führen? Es müssen die Kirchen sein und ihre Ableger gleichen Ungeistes

Und dabei sehe ich hinter diesem eigentlich albernen Streit um den Kreationismus doch eine große Gefahr: Die Gefahr, mit jedem Beitrag zur Dogmatisierung der Gottes-Existenz Bürgerrechte zu beschneiden, zugleich auch die menschliche Verantwortlichkeit mehr auf dieses Phantom abzuwälzen. Im Sinne des bereits erwähnten "Wie konnte Gott es nur zulassen…!" oder "Welch ein Verhängnis!".

Hierin sehe ich das anhaltend Verbrecherische des heute noch weithin geübten Gottesbegriffs: "Auf Ihn vertrauen, Er wird es schon richten", der doch überhaupt nie eingreift, steuert, bestraft, belohnt, wie Kinder es von ihren Eltern erwarten und erwarten dürfen. Erwachsener Mensch geworden zu sein, darf nicht heißen, nach einem Schöpfer-Vater oder einer Gottes-Mutter Maria zu rufen, die bitteschön das hinbiegen und schaffen mögen, was ich benötige, das beseitigen oder vernichten(!) sollen, was mir missfällt. Es muss vielmehr bedeuten, sein Leben soweit wie möglich selbst zu gestalten, zu meistern. Ein Krieg darf – wenn überhaupt – nie mehr geführt werden, weil "Gott mit uns" ist oder "Gott es will" (wie noch im 2. WK von kirchlicher Seite in Deutschland verkündet! – Und noch heute entblödet sich ein berüchtigter Politiker nicht, zu verbreiten, er habe die Aufforderung zu einem verbrecherischen Krieg von Gott erhalten! Seine Landsleute und viele mächtige Staaten der Welt haben ihn bis heute nicht unschädlich gemacht!). Jeder Mensch ist zu jeder Gräueltat befähigt, die Verantwortung aber wälzt er gerne ab! Alle Kriege sind ausschließlich Menschenwerk! Und sie sind von Menschen zu verantworten, weil es keinen verantwortlichen Gott gibt!

Darum geht es bei der Gottesfrage, dem Konfessionsstreit, der Bibelauslegung, den Kirchen-Steuern und bei den Kirchen-Subventionen. Es geht um unsere Existenz. Und sie ist bei den religionsbeamteten Klerikern in schlechten Händen!

Auch wenn wir glauben, die allergrößten, vernichtenden Entwicklungen oder Katastrophen werden schon nicht eintreten, der "Herr bewahre uns davor", darf nicht länger diese mittelalterlich gebliebene, wahnhaft religiöse Schieflage in einer sonst doch weit entwickelten Zivilisation als harmlose Frömmelei oder als bloßer Glaubenskram verharmlost werden, der doch schließlich ureigenste Sache eines Jeden sei. Ja, das ist er eigentlich! Doch muss dafür gesorgt werden, dass er auch eines Jeden ureigenste Sache wird! Mit den Praktiken der Heiligen Katholischen Kirche, weniger auch der Protestantischen Evangelischen Kirche, wird kein Mensch zur eigenen Entscheidung der Gottesfrage geführt, sondern zum Befolgen der Herdendynamik, der Pferchgesetze und damit zur Beibehaltung letztlich menschenfeindlicher vorgefertigter Konzepte. Oder muss die Kirche noch mehr Beweise für ihre Menschenfeindlichkeit liefern?

Seit 15. April 2008