Sind Sie ein paradoxer Bremser?

Kennen Sie das paradoxe Bremsen? Was das bedeutet? Es bedeutet ganz einfach, dass Autofahrer versuchen, ihr bereits stehendes Fahrzeug abzubremsen. Physikalisch bezeichnet man "Bremsen" als "negative Beschleunigung". Und beschleunigen Sie mal ein Auto negativ, wenn es schon steht. Worauf ich hinaus will? Beobachten Sie mal das Verhalten der allermeisten Autofahrer vor roten Ampeln: Die bekommen ihren Fuß nicht von dem Bremseisen weg, obwohl sie doch nur die sogenannte "Handbremse" bräuchten. Diese offiziell "Feststellbremse" genannte Vorrichtung stellt das Auto fest, verbraucht keinen Strom und schont die Bremslampen.

Und wo wir gerade vor einer roten Ampel stehen: Das Blinken nach rechts oder links bis die Ampel endlich wieder Grün zeigt, ist genauso paradox. Der Autovolksmund spricht von "Blinkern", sie heißen fachgerecht aber "Fahrtrichtungsanzeiger". Auch wenn Sie minutenlang blinken: Die Fahrtrichtung können Sie beim stehenden Wagen nun mal nicht ändern. Und wieder bringt dieses sinnlose Spektakel Stromverbrauch (= Sprit), Materialverschleiß und unnötige Signalreize mit sich. Diese Angewohnheiten halte ich primär einfach nur für blöde, ohne an Kosten zu denken. Aber wenn die Statistiker ausrechnen würden, welche Summen sich da Jahr für Jahr anhäufen, komme ich doch ins Grübeln. Über die Milliardenbeträge, die allein durch die Standby-Einstellung unserer E-Geräte anfallen, war ich jedenfalls ziemlich erschrocken. Ach, Sie meinen, das eingeschleifte Verhalten lässt sich so schwer umstellen? Wir sind ja nicht eingerostet, oder? Ein paar Tage muss man die neue Koordination bewusst "einprogrammieren", dann ist der Automatismus wieder perfekt!

Und was nun? Ach ja, da fällt mir noch was ein: Die Paradoxie wird von so manchem "schnittigen" Autofahrer auf die Spitze getrieben: Nachdem er gerade erst bei Rot auf der Linksabbiegespur uns minutenlang mitgeteilt hat, dass er nach links, links, links … abbiegen will, ist er jetzt endlich auf der Autobahn und gibt ordentlich Gas. Aber was sehe ich da? Beim Spurwechsel zum Überholen und wieder Einordnen genügt ihm ein einziges Blinkzeichen, wie hingerotzt. Hier wäre ein etwa dreimaliges Blinken einfach sicherer. Jaja, aber diese Fahrer halten sich ja für schnittig!

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