Vom Gewicht der Vorbildfunktion

Wenn 80 Mio. Bürger jährlich den Staat, also die Gesellschaft, um je 4562,50 € Steuerschuld betrügen – das wären S.s. 365 Mrd. € – kann man die Haltung des einzelnen Täters mit einigem Wohlwollen noch als Kavaliersdelikt, als Steuersünde durchgehen lassen. Zumal ihm mildernde Umstände zugebilligt werden müssen! Umstände, die darauf hindeuten, dass eine gewisse Schicht der Gesellschaft nicht nur geschützt, sondern massiv bevorzugt wird und sich so ein Vielfaches hinzu"verdient". Im Giga-Bereich angesiedelte Verschiebungen zugunsten reicher Konzerne und reicher Erben, deren Lobby auch gleich noch die passenden Gesetze formulieren darf, weil die Ministerien zu wenig Think im Tank haben. Fachleute könnten die "Von-unten-nach-oben-Liste" sicherlich beliebig verlängern.

Da werden 1 500 Steuer-Kriminelle aufgespürt, die als Einzeltäter nicht 4 562,50 € sondern 500 000,43 oder vielleicht auch 1 500 000,17 € und mehr ge­stoh­len haben: aufgespürt von einem gelehrigen Schüler entsprechender Vorbilder, den ich eher als Robin Hood denn als Kriminellen bezeichnen möchte; oder besser noch als freiberuflichen Steuer­fahnder, von dessen Effizienz die haupt­berufliche Fahndung nur träumen kann und die sie mangels Insider-Möglichkeiten nie erreichen kann. Diese frei- und nebenberuflichen Zuarbeiter müssten angeworben und entsprechend ihrer Aufdeckungsquote reich honoriert werden: 2,5 Mio € sind da beileibe nicht zu viel!

Doch was passiert? Ein Chor (wahrscheinlich Betroffener) heuchelt plötzlich dissonant juristische Bedenken und Moral. Sogar Schaar, das Feigenblatt des sog. Datenschutzes, kümmert sich um den Datenschutz der Delinquenten! Von einem Kriminellen ist die Rede, wobei 1 500 Kriminelle flugs ausgeblendet und als Steuersünder verniedlicht werden. Von Banküberfall und Hehlerei wird dummgeschwätzt, wobei doch die Schweiz teils von und ganz mit Hehlerei lebt und jetzt auch noch die Truppen-Spitze der Verbalinjurien bildet: Während Deutschland den CD-Anbieter gleichsam im Rahmen der Verbrechensbekämpfung für geleistete Arbeit bezahlt, um damit mehrere hundert Mio. € Diebesgut sicherzustellen, unterstützen der genannte Männergesangsverein und die Schweiz Steuerkriminelle passiv und aktiv beim Geld-Unterschlagen. Die Schweiz schützt und verarbeitet gestohlenes Geld, ist also de facto ein Hehler-Staat. Ja, ja, und dann das heilige Bankgeheimnis. Wir Deutschen sind viele hundert Jahre durch die Schule "der Größten Verbrecherorganisation der Menschheit" gegangen. Wir wissen inzwischen ziemlich genau, was sich hinter Heiligen und Heiligem verbirgt!

Der Fisch stinkt vom Kopf! Solange es die so genannten Vorbilder immer toller treiben und mit schwarz-gelber Hilfe noch toller treiben dürfen*, ist es moralisch nur recht und billig, wenn die Benachteiligten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, sich schadlos zu halten (siehe Einleitung). Solange die Politik der freien Wirtschaft die freie Gestaltung größenwahnsinniger, unsolidarischer Manager-Gehälter etc. überlässt, um der gleichen freien Wirtschaft bei konjunkturellen Misslichkeiten oder gar beim selbstverschuldeten Crash ganz unfrei unter die Arme zu greifen, solange nichteinmal finanzpolitisch und legislativ durchgegriffen wird, um derartige Tänze auf dem Vulkan mit Sicherheit zu verhindern, solange darf sich niemand über irgendetwas wundern!

*Die ultra-riskanten Geldgeschäfte der Banken – selbst von den USA(!) und europäischen Ländern weiterhin verboten und eine der Hauptursachen der augenblicklichen Weltmisere – wurden von Schwarz-Gelb wieder freigegeben! Dämmert es?

Aber immerhin hat Bundeskanzlerin Merkel den CD-Ankauf signalisiert! Es besteht Hoffnung.
 

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