Aus dem Archiv:Das Kreuz mit dem Kreuz

Da das Kreuz in staatlichen Schulen/Einrichtungen als verfassungswidriges Symbol einer speziellen religiösen Richtung in Verruf geraten ist, glaubt die deutsche Bischofskonferenz besonders klug zu sein, indem sie listig die Deutung des Kreuz- oder Kruzifix-Symbols verbreitert wissen will: Sie lässt verkünden, das Kreuz sei »nicht nur religiöses Symbol, sondern auch kulturelles Zeichen«. Also will sie kein weltoffenes »Multikulti«, sondern einspuriges »Kruzikulti«? Eine Kultur des Kreuzes?! Sollen wir diesen verwegenen Vorstoß ernstnehmen, dann müsste einiges erwidert werden:

Das GG untersagt nach dem religiös-weltanschaulichen Neutralitätsprinzip die Privilegierung bestimmter Bekennt­nisse. Das Zurschaustellen des Kreuzes in öffentlichen Gebäuden stellt eine solche Privilegierung dar.

Die Bischofskonferenz vertraut mal wieder auf Oberflächlichkeit und anerzogene Denkhemmung der Mehrheit und hofft tatsächlich, dass wir alle einfach nur stolz sind auf dieses Kreuz als Sinnbild christlicher Werte, das in Wirklichkeit nur noch als ver- und missbrauchtes Klischee dieser Werte fungiert. Werte, über die immer wieder gedankenlos geplappert wird, die aber weit und breit auch von der Kirche selbst in entscheidenden Situationen beiseite geschoben und ins Gegenteil verkehrt werden. Werte, die in ihrer tatsächlichen historischen Bedeutung von den Wenigsten durchschaut werden!

Das Kreuz-Symbol verweist zunächst einmal auf ein Folter- und Mordwerkzeug. »»»

Zur Kulturgeschichte des Kreuzes gehören neben etlichen Marien-Halluzinationen auch eine Unmenge von Heiligsprechungen von überdurchschnittlich zahlreich vertretenen Schurken, die aber der Kirchenorganisation in irgendeiner Weise mal zu Diensten waren oder Charisma hatten, sprich: werbewirksam auf dem Pop-Markt verwendet werden können. Zu dieser Kultur des Kreuzes gehören zig Millionen Terror-, Folter- und Mordopfer, eine unendliche, sich bis heute fortsetzende Kette von Verbrechen und Vergehen gegen die sogenannten christlichen Werte! Verbrechen der Unterdrückung, Vernichtung, des Betrugs, Missbrauchs, der Korruption, Vertuschung und Vorteilsnahme. Das Kreuz hat dem Abendland summa summarum wenig Erhellendes, aber grausam viel Finsternis und Leid gebracht. Die rund 1 000 Jahre des zu Recht finster genannten Mittelalters beweisen eindrucksvoll, welche Verheerungen die ungebremste Kirchen-Kultur angerichtet hat: Analphabetentum, Armut, Ausbeutung der Massen bei feudalem Luxusleben der Adel-Kleriker-Eliten Das Kreuz bleibt ein Symbol für Folter, Mord und Psychoterror. Es dient schamloser Heuchelei!

Die Lichtblicke in unserer Kultur – wie etwa Aufklärung, Verbot der Sklaverei, Einführung der allgemeinen Schulpflicht, Friedensarbeit oder die Verabschiedung der Menschenrechts-Charta – sind kulturelle Errungen­schaften der Gesellschaften, also von Menschen verschiedenster Herkunft und Weltanschauung, gegen den entlarvenden Widerstand der Kirche, der Kreuz-Lobby.

Monarchie und Kirche haben – leider – über lange Perioden hinweg dominierenden Einfluss auf das Abendland ausgeübt, nur nostalgisch-romantische Verklärung und gewisse Medien können die bösen, zumindest nachteiligen Fakten dieser Übergangsformen des Herrschertums ausblenden. Die gerne von bestimmten Klerikern betonten künstlerischen Schöpfungen vergangener Epochen sind keine Werke der Kirche, sondern Werke von Künstlern unter Kirchenherrschaft und ihrer Deutungshoheit. Die Kirche selbst stand und steht für ein 1000-jähriges Kulturloch! Erst mit der Renaissance und nach Zurückdrängen der unbeschränkten Machtausübung der Kirche konnten sich Kultur/Zivilisation Mitteleuropas allmählich vom Elend des finsteren Mittelalters erholen. Wir können wahrhaftig auf die Folgen jahrhundertelanger Indoktrination nicht stolz sein, sondern nur beschämt innehalten, wie ein analytischer Blick auch auf unsere Zeit lehrt. In Kenntnis der über ein dümmliches Hallelujah hinausgehenden Kreuz-Fakten könnte man alternativ und mit mehr Berechtigung auch die Eule als Symbol der Philosophie/Aufklärung oder – pardon – Hammer und Zirkel für die Technokratie oder DM/€-Zeichen für die vorherrschende Bedeutung des Geldes in unserer Kultur hernehmen. Das Kreuz stellt sich dagegen als Zeichen eines fromm wirkenden, aber bereits radikal enttäuschten Wunsches, somit als Zeichen der Täuschung, der Verlogenheit und Menschen­verachtung schlechthin, kurz: als Kennzeichen eines nicht mehr akzeptablen Auslaufmodells dar.

Ich schlage vor, ein Symbol für die alle-Welt-verbindenden Menschenrechte und Menschenpflichten zu entwerfen, also ein neutrales, keinen Menschen verstörendes Zeichen eines diesseitigen Ideals. Menschen oder Organisationen, die gegen ein solches Symbol aufbegehren, darf Böswilligkeit unterstellt werden.

 
C.c.: Unsere Staats-Kirchen müssen von Rechts wegen abgeschafft werden!
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