Guantánamo-Willige gesucht – oder: Yes, we can’t!

Die Irak-Kriegswilligen, die G. W. Bush in den kriminellen Krieg gefolgt sind, haben – aus welchen oppor­tunistischen Gründen auch immer – den Menschenrechten, den Völkerrechten und der Solidarität mit ihren heimatlichen Staatenbündnissen wenig Beachtung geschenkt. Allen voran der so fromme, inzwischen gar katholische T. Blair, der mit dem ebenfalls betont gottgläubigen Bush ein gut kooperierendes Theisten-Gespann abgab ("Lapdog Blair"). In dem auf 9.11 folgenden Anti-Terrorismus-Krieg fehlte bisher jegliche Reflexion, jede auch nur angedeutete Frage nach einer möglichen Mitschuld!

Der Irak-Krieg wurde zu einem moralischen und militärischen Desaster. Selbstgerechtigkeit, Selbst­herr­lichkeit und Gangstermentalität haben die Krieger bis auf die Knochen blamiert: "Begleiterscheinungen" wie die Folterungen durch US-amerikanische und britische Soldaten u.a. im Abu Ghuraib-Gefängnis oder die Folterungen und Menschen­rechtsbrüche im Guantánamo-Lager erschüttern noch heute die Welt.

Obama dürfte wohl aus blankem Selbsterhaltungstrieb die juristische Aufarbeitung des gesamten Sumpfs abgesagt haben. Die Parole "Let’s look forward" ("Blicken wir nach vorn") ist in diesem Zusammenhang verständlich, aber bei Weitem nicht so schlüssig wie das "Yes, we can". Und dieser Ansatz einer "Strafrechtsreform" lässt darauf hoffen, dass die USA auch ihren zahllosen Todeszell-Insassen durch Aufhebung der Todesstrafe eine Perspektive nach vorn eröffnen.

Auch Obamas Stopp der Veröffentlichung weiterer Bilddokumente geht in die gleiche merkwürdige Richtung. Staatlich verordnetes Vergessen? D. Cheney aus der Bush-Gang jedenfalls konnte die unverfrorene Behauptung wagen, er würde unter gleichen Umständen ganz genau so handeln. Soviel zum humanitären, juristischen, menschenrechtlichen Umfeld des Guantánamo-Gefangenenlagers – und der USA. So sieht keine Abkehr von verbrecherischen Fehlern aus!

Meine Schlussfolgerung kann kurz und bündig nur lauten: Die Kriegswilligen von damals mögen doch konsequenterweise auch die Guantánamo-Willigen sein und für die Beseitigung der sog. Kollateralschäden sorgen.

PS: Eine Anfrage ganz nebenbei: Wie wurden eigentlich die Nutzungsrechte US-amerikanischer Öl-Konzerne an den irakischen Ölquellen gestaltet oder besser umgestaltet, nachdem sie sich in einem ersten Vertragsentwurf die 100%ige Gewinnschöpfung zugeschrieben hatten?!

Nachtrag 2013:
Die USA und ihre Spießgesellen haben Irak im Chaos zurückgelassen. Tägliche Bombenanschläge zwischen den verfeindeten Religionsgemeinschaften der Sunniten und Shiiten fordern hunderte Tote jeden Monat. Die Regierung ist korrupt. Das Land war scheinbar unter Saddam Hussein besser aufgehoben als unter den verlogenen Demokraten aus dem Westen. Es muss sich, wie auch Afghanistan, den Weg in eine menschenrechtlich bessere Zukunft selbst erarbeiten. Zum Glück hat sich Deutschland unter G. Schröder nicht an diesem irakischen Kriegsverbrechen beteiligt. Merkel hätte deutsche Soldaten geschickt! Hurra! Hurra! Hurra!

 

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