Programm der katholischen Kirche: Missbrauch

Bei den zahlreichen pädosexuellen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche und ihren Einrichtungen muss davon ausgegangen werden, dass sie keine neuzeitliche, sondern immer schon eine systemimmanente Erscheinung dieser Kirche waren. Die entsprechenden Konzilsbeschlüsse vergangener Jahrhunderte beweisen dies. Das für die Öffentlichkeit über die Jahrhunderte hinweg Undenkbare, also auch Ungedachte wurde noch in der jüngeren Zeit von der Kirche und ihren Zuarbeitern krampfhaft vertuscht und verdrängt. Ein Bischof Mixa wollte gar die 68er-Bewegung für den sexuellen Notstand der Kleriker verantwortlich machen. Jetzt aber ist der massenhafte sexuelle Kindesmissbrauch durch katholische Priester in einer sensibilisierten Gesellschaft öffentlich geworden; man reibt sich die Augen. Die selbsternannte und von der Allgemeinheit und Politik nie so recht hinterfragte moralische Instanz des Landes, nein, der ganzen Welt findet sich auf einer Stufe mit Krethi und Plethi wieder, im Verein mit irgendwelchen sonstigen Sexual­straftätern.

Denn die Bedingungen für diese Entgleisungen haben sich ja in dieser Kirche "dank" der stets betonten und starrsinnig bekräftigten Traditionstreue nicht geändert. Geändert hat sich – wie schon so oft im Zusammenhang mit dieser Kirche – die Wahrnehmung und Kritikfähigkeit der Gesellschaft. Und wenn sich die maßgeblichen Vertreter dieser Institution auch förmlich aufbäumen, sobald ihnen der Abschied vom Zölibat nahegelegt wird, mögen sie bedenken: Ob Zölibat oder tiefer liegende Eigenheiten der Kirche die Ursachen sind, steht zunächst nicht im Vordergrund. Die Verbrechen aber sind Anlass zu einer gründlichen Normenkontrolle und zwar nicht erst seit Canisius, Aloysius, Ettal …

Eugen Drewermann warnt die Kirche seit Jahrzehnten mit präzisen, bewundernswert klar gefassten und mit großer Geduld und Sanftmut aber auch Unbeirrbarkeit vorgetragenen Analysen. Er kann als echter Seelsorger angesehen werden! Doch er wurde arrogant und ungnädig aus seinen kirchlichen Ämtern vertrieben. Die Entwicklung der letzten Wochen mag ihm eine bittere Genugtuung sein. Hubertus Mynarek wagte es, der interessierten Öffentlichkeit über das wahre Gesicht der Kirche die Augen zu öffnen, er wurde von eben dieser Kirche existentiell ruiniert. Originalton des kirchlichen Abgesandten, der Mynarek von einer Buch-Veröffentlichung abhalten sollte: "Scheiterhaufen können wir nicht mehr anzünden. Aber wir werden Sie mit Prozessen überziehen!". So geschah es. Mynarek vermochte nur auf Grund der hinreichenden Rechtsstaatlichkeit unserer Gesellschaft, eine neue wirtschaftliche Existenz aufzubauen.

Tasächlich mag ja der Zölibat nicht die eigentliche Ursache des Kindesmissbrauchs sein, sondern auch nur ein Symptom einer tief verwurzelten Fehlstrukturierung der katholischen Kirche; einer Kirche, die den Kindesmissbrauch zum Programm erhoben hat. So schäbig und verheerend nämlich sexueller Missbrauch und gewalttätige Heim-Erziehung für die Opfer auch sind – die Vereinnahmung, besser gesagt das Einfangen neugeborener Kinder durch diese Kirche mittels der Säuglingstaufe und die sich anschließende lebenslange Indoktrination, Prägung im Sinne kirchlicher Interessen sind Kindesmissbrauch, sind schwere Menschen­rechts­verletzungen, die seit Jahrtausenden von der Kirche straflos geübt, vom Staat geduldet und gefördert und von einer Generation zur nächsten weitergereicht werden "weil doch nur so den Kindern die christlichen Werte vermittelt werden können". Nur i.S. der Kirchenbereicherung effizient!

Jeder frage sich an dieser Stelle nach kurzem Rundumblick und Innehalten: Haben 2000 Jahre hindurch die vom Klerus gepredigten, aber nicht vorgelebten und ins Gegenteil verkehrten Werte unsere Welt moralischer werden lassen? Haben sie wenigstens die mörderischen Kriege seltener gemacht oder die soziale Gerechtigkeit, die Menschenrechte zur Selbstverständlichkeit werden lassen? Die Erkenntnisse weiser und daher kirchen­ferner Denker, Forscher und Künstler warnen seit Jahrhunderten bis heute vor der Kirche und machen deutlich, dass Menschen durch Kirchenhörigkeit nicht moralischer werden als sie es von Natur aus sind, aber zu Verbrechen verleitet werden können, weil der Bischof es doch sagt und "Gott es will".

Man stelle sich einmal vor, unsere Kinder würden von ihrer Geburt an "schwarz-", "rot-", "grün-", "gelb-" oder "braun"-ide­olo­gischen Erziehern überlassen, in der wichtigsten Zeit ihrer Formbarkeit ganz im Sinne der entsprechenden Denke und Fühle geprägt und so zur lebenslangen Gefolgschaft erzogen! Kindesmissbrauch! Und worin bestehen Kirchliche Interessen? Sie werden den Menschen mit einer Fassade von altrömischer Pracht, Maskeraden aus einem schier unerschöpflichen Kostümfundus, salbungsvollen Predigten mit hohen und höchsten Moral­ansprüchen, Katechismen mit Maßregeln bis in den letzten Winkel der Sinnlichkeit und Unterwäsche, mit Enzykliken, Hirtenbriefen … vorgegaukelt. Doch was hinter dieser so unbegreiflich lange Zeit funktionierenden Fassade tatsächlich betrieben wurde und wird, ist nur Eingeweihten und Interessierten bekannt. Es stempelt die christliche Kirche unwiderlegbar als Größte Verbrecherorganisation der Menschheitsgeschichte ab. Mafia und andere kriminelle Vereinigungen, sogar übelste Staatsverbrecher sind dagegen nur semiprofessionelle Schurken, die auch als solche alsbald ihre Quittung bekamen oder bekommen – zusammen mit den in die Katastrophen gelockten, getriebenen, gesegneten Menschenmassen. Doch nicht so die Kirche: Aus den größten verschuldeten Verheerungen ist sie in den allermeisten Fällen ungeschoren und meist bereichert hervorgegangen. Flugs tarnt sie sich bei Bedarf hinter der bisher ja unantastbaren Heiligkeit ihrer Kirchen-Fassade, ihrem göttlichen Auftrag.

Ein noch radikalerer Missbrauch wird dann offenkundig, wenn man sich vor Augen führt, dass alle Jenseits-Religionen das evolutionär entstandene, ganz säkulare Bedürfnis des Menschen nach einem ebenso säkularen Schutz (Eltern, Anführer, moralische Instanz …) ihren institutionellen Glaubensinteressen und ihrem Jenseits-Schwindel nutzbar machen, also missbrauchen.

 

Strukturfehler der katholischen Kirche:

Grundübel I: Verrat am ursprünglichen Anliegen der anfänglichen Christensekte. Als die Kirche neben diesem geistlichen Anliegen eine Strategie zur Erlangung immer größerer weltlicher Macht entwickelte, wurden die christlichen Werte korrumpiert und schließlich zum bloßen Alibi pervertiert. Unter dem Schein von Heiligkeit mordete, terrorisierte, betrog die Kirche Jahrtausende hindurch. Niemals hat sie sich auf die angebliche Kraft und Herrlichkeit ihres Glaubens, ihres Gottes verlassen – immer erlag sie den Versuchungen säkularen materiellen Zugewinns. Gewiss hat der jeweilige Zeitgeist, der allzu blinde Glauben der zugerichteten Menschen und die Komplizenschaft der Regenten sie verleitet. Doch dies alles zu überwinden, ist die einzige Aufgabe, die einzige Daseinsberechtigung einer jeden Kirche. Die Kirchenmänner in ihrer Gesamtwirkung haben eine Abwendung von ihrem Gott betrieben, sind de facto nicht nur Ungläubige, sondern die bösartigsten Feinde des von ihnen heuchlerisch gepredigten Gottes geworden. Weltliche Macht und Pracht sind mit redlicher Geistlichkeit unvereinbar.

Grundübel II: Der als besondere Tugend und Stärke verkaufte Traditionalismus. Er erlaubt der Kirche keine Umkehr, keine Reform, keine Weiterentwicklung. Wer nicht evolviert, wird – über kurz oder lang – eliminiert! Doch bis dahin wird der Weg mit Leichen und Katastrophen gepflastert sein. Christliche Werte und christliche Kultur gründen sich traditionell auf Raub, Mord, Betrug, Terror – und fromme Worte.

Grundübel III: Freiheit jeder Spielart ist für diese Kirche ein Gräuel. Sie postuliert, dass der Mensch nicht mit Freiheit umgehen könne. Tatsächlich sind Menschen nicht wirklich und sogleich freiheitsfähig, wenn sie über die Generationen hinweg unmündig, infantil, unfrei gehalten werden. Würde uns allen das freie Laufen, Hinfallen und wieder Aufstehen nicht in früher Kindheit gelehrt, wäre das aufrechte Gehen eine Rarität. Die Kirche schwört bis heute auf das Dampfkessel-Prinzip. Der Mensch kommt als moralisches Wesen auf die Welt, das ohne religiöse Unterweisung zum eigenen Überleben alles tut oder nicht tut, was auch ihm getan oder nicht getan werden möge. Durch religiös verquickte, mit Drohungen und Lockungen unterstrichene Ge- und Verbote auch natürlicher und gesunder Aktivitäten wird zum Einen knechtisches Wohlverhalten erzwungen, zum Andern aber ein pathologischer emotionaler Überdruck erzeugt, der sich ständig explosionsartig zu entladen droht oder in sublimierte, oft pervertierte Formen umgeleitet wird: Ein schlechtes Gewissen ist immer die Folge und macht den Knecht noch untertäniger, noch folgsamer und bereiter zu allerlei Vergehen, die ihm als gottgewollt befohlen werden: Hei, wie kann er sich endlich austoben in allen nur denkbaren unsittlichen Exzessen!

Folgen von I – III:

Die katholische Kirche mutet ihren Mitgliedern lebenslange Kindschaft zu. Die gesunde Reifung und Loslösung eines Menschen von den leiblichen Eltern in ein selbstverantwortetes, selbstbestimmtes Leben wird abgelöst durch eine "Vaterschaft" des Pfarrers, Bischofs oder Papstes, des Heiligen Vaters. Die Heilige Unbefleckte Maria oder gar die Mutter Kirche dienen als Ersatzmutter. In diesem Verhältnis wird dem betroffenen Bürger die selbständige Geisteshaltung, Entscheidungsfreiheit, die volle menschliche Reife und Weiterentwicklung vorent­halten oder zumindest sehr erschwert. In allen wichtigen Fragen ist er angehalten, nein, muss er als Kind der Kirche auf die tausendfachen Eingebungen, Suggestionen, vorgefertigten Glaubensinhalte zurückgreifen. Gar geschmeidig lassen sich diese Menschen gängeln und instrumen­ta­lisieren! Die Dümmsten glauben immer noch, dass ein Gott es so will.

Diese Kirchen-Oberen sind gefährliche Menschen; denn sie behaupten, DIE WAHRHEIT zu vertreten. Folgerichtig sind in ihren Augen alle Menschen anderen Glaubens, anderer Weltanschauungen und Kritiker des Kirchenunwesens Irrläufer, Feinde, UNWAHRE. Sie müssen überzeugt, missioniert, bekehrt, bekämpft und – wie es der Zeitgeist gerade zulässt – diffamiert oder getötet werden. Es ist millionenfach geschehen, geschieht weiter! Intoleranz vergiftet das Zusammenleben der Menschen, fördert die Feindseligkeit, erhöht die Wahrscheinlichkeit größter Katastrophen mit der dann üblichen "reuigen" Rückkehr und Kriecherei der zur Hilflosigkeit erzogenen Menschen vor den Kirchen. Hüte dich vor den Menschen, die behaupten, die Wahrheit gefunden zu haben. Halte zu denen, die mit Selbstbesinnung, prüfender Aufmerksamkeit und Forscherdrang den Weg der Wahrheitssuche gehen.

Die alttestamentarische Verachtung der Frauen lebt ungebrochen in der katholischen Kirche fort. Billige Mägde des HERRN, Nonnen, ehrenamtliche Helferinnen in den Gemeinden: Ja! Gerne! Gleichberechtigte Inhaberinnen aller kirchlichen Ämter und Pfründe: Nein und nochmals nein! Frauenhass ist die natürliche Folge dieses Dünkels. So hat sich die Kirche zu einem männlich-gleichgeschlechtlichen Vereinsdasein verurteilt. Der Zölibat dient wiederum vorwiegend kirchlichen Macht-Interessen, keineswegs seelsorgerischen Bemühungen, er verbiegt die "Schöpfung" ihres angeblichen Gottes und überlässt die zum Zölibat genötigten Kleriker entweder einer lebenslangen Enthalt­samkeit (Insider-Auskunft: 33 %) oder dem heimlichen, schuldbeladenen Ausleben ihrer hetero-/homo-/pädosexuellen Neigungen (Insider: 66 %). Der Zölibat, der gerne von geistig eingetrübten Hirten mit der absoluten Bereitschaft für Gott gerechtfertigt wird, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass von diesen Zölibatären nichtmal "Gottes Schöpfung" akzeptiert wird, indem sie die Sexualität ausklammern und gar für alle Gläubigen verteufeln. Ist es somit Böswilligkeit, der katholischen Kirchenstruktur im Allgemeinen und dem Zölibat im Besonderen eine starke Anziehungskraft auf sexuell Unreife oder männliche Homosexuelle zuzu­schreiben?

Februar 2010

Vor diesem Hintergrund ist es ein oberflächliches Scheingefecht oder gar ein Ablenkungsmanöver, beim Kindesmissbrauch der Kirche nur über die sexuelle Variante und den Zölibat zu diskutieren.

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C.c.: Unsere Staats-Kirchen müssen von Rechts wegen abgeschafft werden!
 

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