Beschneidung – Chirurgische Eingriffe und mosaisch-mohammedanische Riten

Alle chirurgischen Eingriffe stellen Körperverletzungen dar, denen vom Patienten ausdrücklich und – wenn irgendwie möglich – schriftlich nach protokollierter Aufklärung zugestimmt werden muss. Es sei denn, der Patient ist nicht geschäftsfähig (minderjährig, dement, entmündigt, bewusstlos oder komatös). In diesen Fällen darf eine Leib und Leben des Patienten bedrohende Erkrankung notfallmäßig auch ohne Zustimmung chirurgisch angegangen werden.

Ergo:
● Die zur rituellen Beschneidung angemeldeten Säuglinge oder Jungen sind nicht krank, sind keine Patienten.
● Sie sind minderjährig, also juristisch nicht zustimmungsfähig.
● Riten besitzen keinen Notfallcharakter. Sie sind aus humaner Sicht reformierbare Bräuche.
● Somit erfüllt die rituelle Circumcision den Straftatbestand einer Körperverletzung, einer Gewalttat.
● Hiermit verfällt auch das Verfügungsrecht der Eltern.
● Religiöse Bräuche dürfen geltendes Strafrecht eines Staates nicht verletzen.
● Dass eine Körperverletzung besonders im Intimbereich junger Menschen auch ein erhebliches seelisches Trauma darstellt, ist bekannt. Eine gesteigerte Vergeltungsmentalität der zu Männern herangewachsenen Beschnittenen ist denkbar. Gleiches gilt für die ebenfalls in "heiligen Schriften" geforderte, aber in unserer Gesellschaft inzwischen strafrechtlich verbotene Prügel-Erziehung.
● Alle angeführten juristischen Argumente werden auch mit einer lege artis in Narkose und auf Privatrechnung durch­geführten C. nicht widerlegt.
● Eine Beschneidung im Säuglings- oder Kindesalter stellt demnach auch einen menschenrechtlich-religiösen Kindes­missbrauch dar.
● Die Säuglingstaufe der Katholiken lässt zwar die Täuflinge körperlich unversehrt, unterwirft sie jedoch alters­bedingt gleichfalls einem menschenrechtlich-religiösen Missbrauch.
● Die in Deutschland gewährleistete Toleranz zugunsten der Religionsfreiheit sollte mit Respekt der Religionsgemeinschaften gegenüber unserem Grundgesetz honoriert werden.
● Jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland soll weiterhin möglich bleiben. Ist sogar sehr erwünscht.

Das Argument, die Beschneidung werde im Pentateuch vorgeschrieben und schon seit 4000 Jahren praktiziert, ist leider weder sachdienlich noch klug. Man könnte tausende Beispiele anführen für Änderung oder Abschaffung altgewohnter, aber nicht mehr akzeptabler Angewohnheiten, Praktiken, Institutionen. Sollte auch die katholische Kirche die Rechtsposition des Kölner Landgerichts ablehnen und auf biblische Regularien verweisen, so könnten ja einschlägige Empfehlungen der Heiligen Schrift befolgt werden und Kinderschänder des katholischen Klerus an Mühlsteine gebunden im Meer versenkt werden (Mk 9,42 et al.).

Auch die neulich von Frau Merkel vorgebrachte Sorge, Deutschland würde wegen eines Beschneidungsverbots zum Komikerstaat werden, ist weder zielführend noch entwicklungsbewusst, also erschreckend unbedarft, sei aber der kinderlosen Bundeskanzlerin nachgesehen. Übrigens: Mir ist eine Komikerin lieber als eine Kinderfeindin und Menschen­rechtsbrecherin!

Nebenbei sei noch erwähnt, dass eine Phimose (also eine krankhafte Vorhautenge) eine medikamentös oder operativ behandlungsbedürftige Erkrankung ist. Bei Säuglingen ist eine Vorhautenge/Vorhautverklebung physiologisch, ist also bis zum Alter von etwa einem Jahr ohne Krankheitswert und stellt damit keine Indikation zur Circumcision dar. Tatsächlich machen sich viele der an einer rituellen Beschneidung interessierten Eltern diese Umstände zunutze und versuchen, dem uralten Beschneidungsritus (ohne Narkose, ohne Hygienestandards und mit hohen privaten Kosten!) mit einer modernen medizinischen Circumcision auf GKV-Basis "gerecht" zu werden, obwohl keine Phimose vorliegt, diese aber von "wohlwollenden" Ärzten zu Unrecht attestiert wird. Soviel zur Einstellung mancher Strenggläubiger zu rituellen Bräuchen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass jede Religion im Zwielicht steht, die ohne Körper­verletzung bei ihren jüngsten, ohnehin schon unfreiwilligen Beitrittskandidaten nicht auskommt. Es ist zudem sehr bedenklich, dass sich Religionsvertreter heute noch erlauben, den "Bund mit ihrem Gott" ausschließlich am Mitglied "mit Glied" zu vollziehen. Wenn diese Frauenverachtung der jüdisch-katholisch-muslimischen Fundamentalisten in Deutschland geduldet wird, sollte das Grundgesetz besser gleich umgeschrieben werden. Auch die Ehrenmorde und Steinigungen könnten traditionshalber in Deutschland wieder zugestanden werden. Wo liegt die Grenze? Sollte Deutschland regressiv auf das Niveau von Moses und Mohammed oder sollten die jüdischen, muslimischen Riten im Sinne moderner Erkenntnisse reformiert werden?

18.07.2012

07.10.2013 – Nachtrag:
Vorstoß des Europarats i.S. Beschneidung (PDF)

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