Thema: Humanae vitae (HV) oder ‚Pillenenzyklika‘

Der Montini-Papst (Paul VI.) hatte in seinem weithin als "Pillenenzyklika" verspotteten Rundbrief (Humanae vi­tae, 1968) die strikte Ablehnung jeglicher künstlichen Empfängnisverhütung bekräftigt. Von der katholischen Kirche sollte also nur die Enthaltsamkeit an den fruchtbaren Tagen als Verhütung (Kalendermethode) gestattet sein: "Sie steht im Einklang mit der Natur." Der Ratzinger-Papst hat dieser Tage nochmals die kompromisslose Haltung seiner Organisation bestätigt: "Die künstliche Verhütung widerspricht der innersten Wahrheit der Ehe."

Hierzu gibt es so viel zu sagen, dass berufene Leute Bücher füllen könnten. Einige Punkte möchte ich anführen:

Eigentlich könnten solche Verbote, solche Ermahnungen übergangen werden: Sie und die verkündende Kirche werden von der Mehrheit nicht mehr ernst genommen – schon gar nicht, wenn die wahren Motive der Kirche aufgedeckt werden. Diese sind weder menschenfreundlich noch lebensbejahend, keinesfalls "christlich". Allein der oben zitierte Ratzinger-Satz enthält neben dem Verbot sicherer Verhütungsmethoden auch noch das Postulat, dass nur in der Ehe Geschlechtsverkehr ausgeübt werden darf. Also: Sex nur in der Ehe! Dann aber ZUG um ZUG – zeugen und gebären, zeugen und gebären …! Hier finden sich Katholizismus, Zynismus und Sadismus in bemerkenswerter Weise zu einer Triole zusammen.

Vorweg: Die katholische Kirche ist für gut Informierte die "Größte Verbrecherorganisation der Menschheits­geschichte". Aber sie will Moral predigen! Ein übler Trick! Es ist bekannt, dass gerade solche Gruppierungen den moralischen Zeigefinger besonders hoch strecken (Haltet den Dieb!!!). Die Kirche wurde zwar lange Zeit dank ihrer Maskeraden für eine moralische Instanz gehalten, war es de facto aber nie. Und heutzutage hat sie auch den Anschein einer solchen Leitfunktion verloren. Man kann sie wirklich nicht mehr ernst nehmen, muss sie aber um so mehr fürchten: Die Kirche war m.W. nie bereit, unrechtmäßiges Terrain kampflos aufzugeben. Bei der Wahl der Mittel waren keine moralischen oder christlichen Grundsätze ausschlaggebend.

So ist die Kirche rastlos damit beschäftigt, kirchenmoralische Plattheiten und Anleitungen zu verkünden sowie rigorose Vorschriften mit Vorliebe für den Unterleibsbereich zu erlassen, um so Gewissensbisse einzuimpfen. Merkwürdig: In einem Bereich also, den die Kirche in ihren eigenen Reihen höchst widernatürlich, für die interne Kirchenmacht aber sehr raffiniert und effektiv geregelt hat. Die Pfaffensicht der Welt ist weder ganzheitlich noch realistisch noch natürlich, sondern repressiv, regressiv, engstirnig, engherzig und ausschließlich auf die Rettung eigener Macht ausgerichtet.

Die kirchlich erlaubte Kalender- oder Knaus-Ogino-Methode hat von allen denkbaren Verhütungsmethoden den höchsten Pearl-Index ist also die unsicherste Methode. Offenbar ist dies der katholischen Kirche nur recht: Denn katholische Babys "müssen" selbstverständlich getauft werden, damit sie nicht der "Vorhölle" anheim­fallen. Sie erhöhen die Mitgliederzahl der Kirche, zahlen später Kirchensteuer, spenden und blöken im Chor …

Wenn es in der HV, der "Pillenenzyklika" heißt, die Kalender-Methode stehe "mit der Natur im Einklang", kann man über den süßen Glockenklang nur schmunzeln: Wenn ich die Natur austricksen will — mit dem Kalender, der Pille, dem Kondom — , stehe ich mit der Natur nicht im Einklang. Aber – ob natürlich oder nicht – die Methode taugt nichts! Ungenauigkeiten bei der Abschätzung der unfruchtbaren Tage, Vergesslichkeit sowie schlicht und einfach das sexuelle Begehren sorgen dafür, dass der Einklang mit der Kirche im Sinne ungewollter Schwangerschaften gewahrt bleibt! Das von der Kirche ebenfalls verpönte Kondom kann bei der Bekämpfung u.a. von AIDS helfen, stört aber wiederum den Einklang mit der Natur.

Die Beachtung der Natur wird also dann von der Kirche gepredigt, wenn es ihr in den Kram passt: Denn die Kirche hatte mit der Natur nie viel am Hut. Im Gegenteil: Die Natur wurde und wird von der Kirche verdrängt und gefürchtet: Hält sie doch unendlich viele natürliche Antworten für uns bereit und bringt unseren Gesellschaften unermesslichen Nutzen, wohingegen Naturkatastrophen im Vergleich dazu und zu den menschlich verschuldeten Katastrophen relativ harmlos sind. Die Natur ist der größte Konkurrent der Religionen und ihrer Vermarkter. Natürlich hat der Vatikan neuerdings mitbekommen, dass Naturschutz rund um die Welt gefragt und überlebenswichtig ist: Flugs lässt Ratzinger die Mahnung verbreiten, die Menschen sollten "größeren Respekt für die Wunder von Gottes Schöpfung" aufbringen. Spät, Herr Ratzinger, sehr spät! Und von wegen Wunder! Die "Wunder" wurden von der Jahrmilliarden währenden Evolution mit zunehmender Kom­ple­xie­rung und Herausarbeitung überlebenswichtiger Eigenschaften und Fähigkeiten der Lebewesen gewirkt. Und dies unter dem Konkurrenzdruck realen Lebens. Diesem natürlichen Kon­kur­renz­druck allerdings wusste die Kirche sich ja elegant zu entziehen: Milliardenschwere Subventionen und Spenden und Kirchensteuern und Sammel­aktionen sichern den Kirchen, ihren untergekrochenen Klerikern ein finanziell dickgepolstertes Leben, erlauben den oberen Chargen (Bichöfe, Kardinäle, Päpste) ein luxuriöses und feudales Ambiente. Natur? Gesellschaftliche Evolution?

Und solche künstlich am Leben gehaltenen Organisationen haben keinen Sinn für die Not der Benachteiligten, der Opfer weltweiter Ungerechtigkeiten, die z. B. durch mangelnde Geburtenverhütung in das Heer der Massen­armut und Massen­arbeitslosigkeit eingereiht werden oder auch in den Wohlstandsgesellschaften "nur" auf ein angenehmes, "wohl-an-ständiges" Leben verzichten müssen. Die Kirchen selbst beteiligen sich an der Verteilungsungerechtigkeit in skandalöser Weise. Die kirchlichen Spendenaktionen für die sogenannte Dritte Welt sind Almosen, Tropfen auf den heißen Stein und sollen die Notwendigkeit echten Strukturwandels verschleiern! Wohl wissend, dass die Massen der Armen die letzten Batallione zur Rekrutierung ihres Mitgliedernachwuchses sind. Sollen sie sich doch vermehren und darben!

Denn neben der Pille, dem Kondom oder der Spirale ist der Wohlstand ein Geburtenhemmer: Konsum, Bildung und Neugier nehmen bei Wohlstand zu, Geburten aber nehmen ab. Alle Menschen möchten nämlich angenehm leben, betrachten dies als ihr gutes Menschenrecht! Und wo schon zwei oder drei Kinder bei knappen Geldmitteln zu viel sind, um anständig und angenehm zu leben, verweigert man dem Staat und seinen Kirchen den Nachwuchs! Aber ein Wohlleben gönnt der an Wohlleben gewöhnte, ja damit verwöhnte Klerus nicht generell allen Menschen; denn Konsum, Bildung, Kritikfähigkeit und geachtete Stellung hier im Diesseits macht die Menschen nicht nur fortpflanzungsskeptisch, sondern immun gegenüber den hohlen Jenseitslügen und falschen Moralpredigten, gefährdet die ungerechtfertigte Macht der Kirchen. Viele Kinder aber und dazu Armut und Arbeitslosigkeit lenken die Menschen von ihrer eigentlichen Menschwerdung ab sowie zum besinnungslosen Existenzkampf und Drogen-Konsum hin. Hierbei ist die Religionsdroge mit Bestimmtheit eine der gefährlichsten. Dies ist die "innerste Wahrheit" im Kirchenkonzern. Kriminologische, soziologische, psychologische, historische Studien an der 2000-jährigen Kirchengeschichte belegen dies bis ins Detail und bis in die Gegenwart!

Wenn die Kirche so eifrig gegen die Geburtenkontrolle und für die "Weitergabe des Lebens" agitiert, müsste man ihr doch die ethisch wertvolle Bemühung um den Lebensschutz attestieren. Leider hat sich die Kirche nie sonderlich um den Schutz des Lebens gesorgt, wenn es um die Wahrung ihrer eigenen Konzern-Interessen ging. Im Gegenteil sind viele Zigmillionen Menschen mit Hilfe und Beihilfe der Kirche ums Leben gekommen, verreckt. Und nicht nur, weil von der Kanzel herab in den – bisher letzten, den 2. – Weltkrieg gehetzt wurde. Nein, an der Planung und Durchführung von Kriegen und dem Abschlachten unzähliger Menschenleben aus verschiedensten "betriebswirtschaftlichen" Gründen war die Kirche stets interessiert (u. a. Polen-Russlandfeldzug, Jugoslawien-Massaker). Auch als Lebensschutz eV taugt die Kirche nicht!

 
C.c.: Unsere Staats-Kirchen müssen von Rechts wegen abgeschafft werden!

4. Oktober 2008

 

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