Leben 2

Ein Paradigmenwechsel in der Betrachtung des Lebensbegriffs und damit eine Neudefinition dieses Begriffs „Leben“ ist mE erforderlich. Nicht zuletzt, um die Gesellschaften von der dissoziierenden, spaltenden Wirkung des Dualismus zu befreien:

Ist-Zustand: Mensch=Primat
gemäß biologischer Evolution

► ◄

Soll-Zustand: Menschsein
durch neuronale Evolution

Coincidentia oppositorum
universeller Zyklus

All
Gott contra Teufel
Eins
Gut contra Böse
Creator contra Kreatur
Mensch contra Vieh
"wahre" contra "falsche" Religion
Fremdes contra Vertrautes
Alles contra Nichts
Materie contra Geist
Masse contra Energie
Leben contra Tod
Hass contra Liebe
Krieg contra Frieden
Mensch contra Universum
Universum contra Mensch
Kraut contra Unkraut
wertvoll contra minderwertig
usw

Das dualistisch konträre Denken ist hervorragend geeignet, zu polarisieren, gegeneinander aufzubringen, gegeneinander zu kämpfen, zu töten. Kurz: Mit dem feindseligen Denksystem ist es einfach, Feindbilder/Gottesbilder aufzubauen. Diese Denkweise ist uns mehrheitlich eigen, wurde und wird uns gelehrt, von Kindesbeinen an.

Die Geschichte der Menschheit scheint dieser Denkungsart auch Recht zu geben. Oder? Das Recht des augenblicklich Faktischen ist nicht per se rechtens! Nicht das Ende der Fahnenstange! Wer schreibt, wer beschreibt die Geschichte, interpretiert sie? Wer? In wessen Auftrag? Mit welcher Absicht? Man nennt nicht von ungefähr die meisten Historiker "Schminkmeister der Geschichte". Dürfen oder müssen wir misstrauisch sein? Im Sinne des gängigen Denkens sind all die gegnerischen Begriffe ja sich selbst erfüllende Prophezeihungen. Aber ist denn das konträre Fühlen und Denken, verbunden mit Abschottung, Intoleranz und mörderischen Kriegen stammesgeschichtlich auf ewig fixiert, oder wird eines fernen Tages die Evolution echtes, also areligiöses Menschsein ermöglichen? Menschsein nicht im Knechtschafts-Herrschafts-System der Religionsverwerter, sondern als dominierendes Kultur-Instrument, als optimaler modus vivendi!

Und was hat dies alles mit der Neudefinition von 'Leben' zu tun?
In der Abkehr vom feindseligen Denken, das uns ja ein Alles gegen Alles und die Vorteile der Abschottung und Intoleranz suggeriert, liegt die Möglichkeit, sich selbst und die Welt besser zu verstehen, der Wahrheit näher zu kommen, klüger und gelassener zu planen und vielleicht glücklicher zu werden.

Wissenschaft: Wahrheit ist derjenige Irrtum, der sich als der beste Wegbereiter zum nächst kleineren erweist.

Die obige, zugegeben radikal wirkende Zusammenstellung ist einerseits beliebig erweiterbar, andererseits durchaus ausreichend. Sie reicht mE aus, um den Wandel von der Gegnerschaft zur Partnerschaft, vom militanten Kampf zum lernfähigen Diskurs als wünschenswert anzustreben. Ein Wandel, der von Philosophie und Naturwissenschaft längst vollzogen ist, aber den Menschen im Alltag so sehr schwerfällt, so griffig/angriffig ist doch die jeweils spürbare Trennung und Intoleranz in den Gegenüberstellungen, wenn man sich nur auf der richtigen Seite wähnt, so dass die meisten nicht aus dem dualistischen Contra-Trott herauskönnen. Ein Trott, der sie schon unzählige Male und unausweichlich immer und immer wieder in ärgste Verlegenheit, in schlimmste Katastrophen geführt hat und leider führen wird.

Der Wandel bedeutet, allen oben genannten Gegensätzen die hassbereite Spitze zu nehmen. Aus Gegensätzen werden Komplexe, letztlich nur ein einziger Komplex: Dies ist der himmelweite Unterschied. Er birgt die Heilkraft, die unsere kranke Welt so nötig hat: Eine Welt, in der die Demokratie an Konzerne verschachert wird, in der Gerichte Recht brechen und die Kirche mit dem "Teufel" paktiert. Die vermeintlichen Gegner können zu Partnern werden, zu Mitgliedern der universellen Familie, die man mit Freudentränen und einem großen Glücksgefühl begrüßen, zur Kenntnis nehmen und einfach respektieren kann.

Einige Beispiele:

Ein Geschöpf ist ohne Schöpfer kein Geschöpf. Und ein Schöpfer ohne Geschöpf ist kein Schöpfer. Vermeintliche Schöpfer und vermeintliche Geschöpfe sitzen in einem Boot namens Evolution, das – noch – vom Universum getragen wird und in dem sich trefflich, vielleicht sogar solidarisch über die Entstehung des Lebens und die Definition des Lebensbegriffs debattieren lässt – und über die kindische Schöpferlegende.

Gäbe es den (biologischen) Tod nicht, gäbe es auch kein (biologisches) Leben. Auch sie können sich die Hände reichen.

Es gibt keinen angeboren 'guten Menschen', keinen angeboren 'bösen Menschen'. Alle Menschen sind genuin gut und böse angelegt, vereinfacht formuliert: jeweils etwa zur Hälfte. Der Mensch, das einzige Raubtier↗ auf Erden sowie ein geniales, liebevolles Wesen. Nein, es darf und soll nicht der Nivellierung aller Wohl- und Untaten, aller anständigen und verbrecherischen Menschen das Wort geredet werden! Es gibt eine große Anzahl von Menschen, die aus freiheitlicher Gesinnung und Wahl heraus um Anstand und Freundlichkeit bemüht sind. Und es gibt die vielen Menschen, die unter dem Schutz von Privilegien und Tabuierung zwar auch keinen freien Willen, aber die freie Wahl haben und sich entscheiden, ("die Sau rauszulassen" und) zu VerbrecherInnen zu werden. Sie, besonders sie müssen bekehrt werden.

Das Nichts wird nur im Vergleich mit dem All zum Nichts und umgekehrt.

Wer glaubt denn, dass Frieden die Abwesenheit von Krieg sei? Wie Gesundheit auch aus Krankheit, nämlich einem lebenslangen Kampf mit krankmachenden Einwirkungen besteht, so ist Frieden nicht als "Friede, Freude, Eierkuchen" misszuverstehen. Ein gesunder Friede ist permanenter Polemos, "Krieg" zB gegen die Feinde und Saboteure von "Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit". Krieg (Polemik), aber ohne Blutvergießen, ohne Phantom-Jäger, sondern mit scharfen Worten, heftigen Protesten, konstruktiven Vorschlägen, Forderungen. Wenn legitime und/oder illegitime Machthaber sich als Herrscher und nicht als Diener der Gesellschaft missverstehen, werden sie immer bestrebt sein, etwa eine auf dem Papier unzähliger Redemanuskripte stehende "Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Religionsfreiheit" zu hintertreiben, um ihre satt-gemütliche Machtposition zu erhalten. Wenn dieser drohende, seit Menschengedenken immer wieder realisierte Teufelskreis nicht durchbrochen wird, wird aus jedem falschen Frieden zwangsläufig ein mörderischer Krieg. So war es bisher immer! Und dies war und ist nicht gottgegeben oder gottgefällig, sondern allein triebhaft, menschengemacht. Oder? Oder werden etwa gottgegeben im Bereich anderer Kulturbereiche heute immer noch verschmutzte Wunden mit dem glühenden Eisen desinfiziert oder Briefschaften mit Tauben verschickt?

usw, usf

Wenn Leben und Tod eine untrennbare Einheit bilden, gibt es also kein Leben ohne Tod, keinen Tod ohne Leben. In jedem biologischen Lebewesen steckt ein mehr oder weniger großer Anteil des Todes. Kaum ist zB ein Mensch geboren, verfallen einzelne Anteile seines Organismus dem Tod. Ständig sterben Zellen und Zellverbände ab und erneuern sich, manchmal nur noch teilweise. Er lebt und stirbt sein ganzes Leben lang. Erst im finalen Sterben bekommen die toten Anteile das Übergewicht und versagt die Erneuerung.

Wie das Leben am Tod, so trägt auch der Tod Anteile am Leben in sich. Die Materie, aus der die Biomasse ausschließlich besteht und die nach dem Tod überlebt, die Materie lebt in gewisser Weise. Sie enthält den kleinsten gemeinsamen Nenner des Lebens, sozusagen die Lebensformel: Körper-Geist. Das rein Stoffliche und das Geistprinzip in Form der Naturgesetze, die jedes Atom, das gesamte Reich der Materie steuern. Und Ludwig Büchner sagt treffend, die Seele sei ein Produkt des Zusammenwirkens von Körper und Geist, wie der Urin ein Produkt der Niere und ihrer physiologischen Funktion sei. Schon die Materie birgt das Körper-Geist-Seele-Prinzip. Das Universum verbürgt Leben.

Der Atheist Albert Einstein:
"Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens."

Wir haben alle Gründe, das Universum und alles aus ihm Hervorgegangene, alle Vertreter der Evolution von der Materie bis zum Tierreich zu respektieren, zu bewundern, ja, zu lieben. Uns gäbe es ohne alle unsere Vorstufen nicht: Nicht ohne die Materie, nicht ohne die Bakterien und alle Weiterentwicklungen. Ja, Bakterien, die erst den Sauerstoff in unsere Welt gebracht und so den größten Teil allen biologischen Lebens erst ermöglicht haben und die uns als Symbionten begleiten und das Leben erst gestatten. Sie sind den meisten von uns nur als Krankheitserreger geläufig, was sie in relativ geringem Umfang auch sind. Doch ungeachtet ihrer bis heute wirksamen Schrittmacherfunktion (zB CRISPR) werden sie mit Antibiotika-Bomben bekämpft: Zu oft falsch indiziert, falsch dosiert.

Bakterien wissen sich zu wehren. Die Folgen sind bekannt: MRSA, VRE, ESBL. Bakterien sind die Lebewesen, die uns eindrucksvoll stellvertretend beweisen, dass die Menschheit mit jeder Ausrottung von Lebewesen seine eigenen Überlebenschancen verringert. Ohne Bakterien ist auch der Mensch nicht lebensfähig! Ein schöner Gruß von der Evolution.

Wenn schon die ersten Lebewesen eine derart bedeutende Schlüsselposition für die gesamte weitere Entwicklung einnehmen, wie ist es dann nur möglich, dass nicht allen unseren evolutionären Vorfahren das grundgesetzliche Recht auf Leben eingeräumt wird?! Die griechische Mythologie sagt der selbstverliebten Menschheit eine gravierende Deklassierung voraus: Denn sie schaut in den Spiegel und sieht ganz fasziniert von sich selbst – nur sich selbst. Nichts um sich herum und schon gar nicht das Kommende.

Die Liebe zu diesen unseren Vorfahren, die Liebe zu uns selbst und unserer gesamten Mitwelt bringt die nötige Herzenswärme in unser Leben. Gläubiger Atheismus, Pantheismus und nicht die "Ehr-Furcht" vor einem Gott, den Herrschsüchtige sich ausgedacht, immer wieder mal umgemodelt, also gebastelt haben, sondern allein die Liebe zum gesamten Disseits, das heißt zum All, zur real existierenden Welt in neu definierter Sichtweise. Erst und nur mit dieser umfänglichen Liebe wird der Mensch des Universums würdig, hat er eine Chance, vom Primaten zum Menschen zu evolvieren und zu überleben. Die Lieblosigkeit, die wir alle als unkritische Mitläufer unserer Leidkultur, besonders aber die selbsternannten Herrscher der Erde, dem Universum und damit unserer gesamten evolutionären Vorfahrenschaft entgegenbringen, ist so von Rücksichtslosigkeit und Hass geprägt, dass jeder Appell an die Beherrschten als bigotte Heuchelei empfunden werden muss, wenn er zunehmende Werte-Missachtung, Rohheit und Hass in den Medien und der Bevölkerung anprangert oder gar unter Strafe stellen will. Die Menschen in aller Welt wissen u/o spüren zumindest, dass sie von den Mächtigen getäuscht und betrogen und als Kanonenfutter eingeplant werden, dass die Demokratie, die soziale, finanzpolitische, strafrechtliche und umweltpolitische Gerechtigkeit, also die Rechtsstaatlichkeit insgesamt gerade auch in unserem Land immer unverschämter, frecher in ihr Gegenteil verkehrt werden! Hier liegt ein weites Feld der möglichen Ursachenbekämpfung all der hässlichen Unruhen, Attacken und Verbrechen lokal und global. Die *-ida-Bewegungen, die extremistischen Spielchen mit dem Feuer sind ja widerwärtig, aber vor dem Hintergrund der elitären Niedertracht eher als harmlose Denkanstöße, als Warnungen zu verstehen.

Ihr werdet die Welt
von unten nach oben,
nicht von oben herab
erkennen und lieben.
Dann erst werdet ihr staunen.
Dann werdet ihr innehalten,
wenn ihr plant, ohne Not
einen Baum zu fällen,
ein Schaf zu schlachten,
einen Menschen zu quälen
oder auszulöschen.

Wie kleinkariert und engherzig wirkt dagegen das christliche Gebot der Nächstenliebe, das da lautet: "An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr. (3.Moses 19,18: Nächstenliebe↗)". Es besteht auch hier der üble Beigeschmack der religiös gerechtfertigten Abschottung und Feindseligkeit gegenüber Fremden, Ungeliebten, Feinden, kurz: gegenüber allen, die nicht zum eigenen Volk, nicht zu den Nächsten gezählt werden sollen oder dürfen. Ein gottgewollter Freibrief!? Unzählige Menschen, Tiere, Pflanzen wurden und werden doch mit derartigem Gebot tora-bibel-koran-treu missachtet, missbraucht, misshandelt, vernichtet, wenn kirchenhörig fromm und nicht menschenwürdig, selbstverantwortlich, empathisch gedacht und gehandelt wird. Seitenlange Exegesen ändern nichts an diesem verfänglichen Wort "Nächster" und nichts an der bis heute geübten dumm-brutalen Praxis auch in unserer Leidkultur! Lieblosigkeit im Gewande heuchlerischen Edelmutes: Bigotterie ist unser Leitfaden! Daher: Die Kirchen müssen verjagt werden!
Dezember 2016

Zurück zu MNA 2016
Zurück zu Specials

-


FACEBOOK
TWITTER
GOOGLE