Thema: Kurzfristigkeit

Eine 10%-Schicht – nicht "die Welt"!
Wenn die Weltwirtschaftskrise eine Erkenntnis hat reifen lassen, dann diese: Wirtschaft und Finanzwesen haben sich übermäßig aufgebläht, haben unsinnige Überkapazitäten geschaffen. Ihre Ver­ant­wort­lichen einschließlich der Politik haben im Irrglauben gelebt, das Märchen vom Goldesel sei Wirklichkeit geworden. In nahezu der gesamten Welt sind dieser Irrglaube, diese Aufblähung von einer nur kleinen 10%-Gruppe zu verantworten. Diese hat über ihre Verhältnisse gelebt und nicht "die Welt", wie unsere liebe Frau Merkel zu Neujahr verallgemeinern wollte. Doch jetzt in der Phase des Niedergangs hat sie Recht: Die ausgebrochene Not wird selbstverständlich verallgemeinert! Und dabei sind es wieder einmal die 90 und nicht die 10% der Bürger, die spürbare Verluste hinnehmen müssen.

Arroganz der Macht
Mit der leichtfertigen Arroganz der Machthaber wird vertuscht und verdrängt, dass blauäugige Fahrlässigkeit, schlichtes Unvermögen und Charakterschwäche die eigentlichen Ursachen der Krise sind. Aber nur für diese Qualitäten mit umgekehrten Vorzeichen sollten gute Gehälter und gute Diäten gezahlt werden. Statt dessen haben Manager auch bei Versagen, Misswirtschaft und kriminellen Machenschaften ihr ABO (Abfindungen, Boni, Optionen), verlangen Politiker die automatische und unverhältnismäßige Diätenerhöhung. Hier wird über die Verhältnisse gelebt, Frau Merkel! Schon seit Jahren wird vielerorts – auch in diesem Blog – auf die "Managerkrankheit" hingewiesen. Doch Frau Merkel kommentierte die Rufe nach Gegenmaßnahmen so: "Da kann man gesetzlich leider nichts machen."

Gesetz gegen Sozialkriminalität
Doch gerade zur Schadensvermeidung oder zumindest Schadensbegrenzung sind die Gesetzgeber doch aufgerufen. Und der Tatbestand der Sozialkriminalität wird sich mit Strafgesetzen fassen lassen, wenn es gewollt wird! Jeder Gehaltswahnsinn über etwa 1 Mio Euro/Jahr ist gesellschaftskriminell. Kein Mensch kann mehr verdienen. Auch wenn er ein vielfaches an Profit schafft, erledigt er dabei nur seine berufliche Pflicht. Anders liegt es bei den Großen aus Kunst, Unterhaltung und Sport: Wenn die Menschen etwa den Balltretern Höchstsummen zahlen, dann belohnen sie aus freien Stücken den Spaß- und Freudefaktor. Und die Gesetzgeber gerade der augenblicklichen Regierung tun sich doch mit einer Vielzahl von heiklen und nicht selten sogar verfassungswidrigen Gesetzen hervor.

Terroristen im eigenen Lager
Die Antiterrorgesetzgebung etwa hat in bestimmten Grenzen sicher ihre Berechtigung, darf aber nicht ein ganzes Volk unter Generalverdacht stellen und der allgemeinen Schnüffelmentalität Tür und Tor öffnen. Wie vorausgesagt, überzieht schon jetzt – Schäuble sei Dank – eine unerträgliche Bespitzelungssucht in Großhandelsketten, bei der Telekom oder der Bahn die ganze Gesellschaft und schafft Misstrauen eines Jeden gegen Jeden! Und wenn Frau Merkel im Zusammenhang mit Terroristen-Forderungen trotzig verkündet, sich nicht erpressen zu lassen und mit "denen" nicht zu verhandeln, offenbart sie gleich dreifache Unkenntnis: Zum Einen sitzen die wirklichen Terroristen nicht in Afghanistan, Pakistan usw., sondern mitten in unseren Gesellschaften. Sie tragen Nadelstreifen und handeln ohne echte Not terroristisch! Ihr bisher gefährlichster Anschlag hat nahezu die ganze Welt an den Rand des Abgrunds gebracht und damit unzählige Menschen. Zum Andern wird die Politik permanent seit undenklichen Zeiten von dieser kleinen Gruppe erpresst, ganz vornehm zwar in der gediegenen Lobby oder den Verbandsitzungen, aber sehr effektiv. Jeder mittlere Unternehmer, erst recht die Konzernmanager brauchen nur auf 100 oder 1 000 oder 50 000 Arbeitsplätze hinzuweisen: Schon zuckt die Politik zurück und wird willfähriges Werkzeug. Und zum Dritten verkennt unsere Frontfrau Merkel, dass die sogenannten Terroristen einer billigen Verleumdung ausgesetzt sind: Sie handeln aus größter Not: der Not chronisch Unterdrückter, wirtschaftlich Benachteiligter, Opfer willkürlicher mörderischer Kriege. Nach P. Ustinow sind ihre Selbstmord-Anschläge der Krieg der armen Leute, so wie die offiziellen Kriege Terror der reichen Nationen sind. Vor diesem Hintergrund ist der Irakkrieg, ist der Afghanistankrieg, sind die dauernd wieder ausbrechenden Nahostkriege, zuletzt Gaza, bösartige Terrorakte reicher Nationen. Sie schreien geradezu nach Vergeltung und haben einen gewaltigen Rekrutierungs­effekt für nachwachsende Rebellen, im Politikjargon irrtümlich "Terroristen" genannt.

Innovative Arbeitsplätze
Wann endlich kommt ein echter Politiker auf den Lösungsweg zur Befreiung vom Erpressungspotential unserer Kapitalgruppe? Wann endlich wird diesen übermütigen Traumtänzern die Erpresserkeule "Arbeitsplatzabbau" aus der Hand geschlagen? Zumal doch jedem Insider aufgefallen sein muss, dass die bisherigen Arbeitgeber selbst in Boomphasen gar nicht in der Lage sind, für Vollbeschäftigung zu sorgen: Wir sind überbevölkert. Was von der hemmungslosen Vermehrungspolitik des Vatikans unter unseren gesellschaftlichen Verhältnissen zu halten ist, kann an mehreren Stellen dieses Blogs nachgelesen werden. Wir haben es bisher versäumt, innovative Arbeitsplätze in großer Zahl zu schaffen, um den Menschen zu ihrem Recht auf Arbeit zu verhelfen und vom Arbeitgeberverhalten unabhängig zu werden.

Drei Bereiche kommen m. E. in Betracht:

Umweltschutz und Umwelttechnologie

Bildung

Berufsarmee

 

Bio-Potential
Im erstgenannten Sektor besitzt Deutschland einen gewissen Vorsprung in der Welt, den es nicht nur zu halten, sondern auszubauen gilt: Eine riesige Zahl von Arbeitsplätzen ist hier die richtige Investition. Die Welt wird in wenigen Jahren bis Jahrzehnten händeringend dieses Wissen und technische Know-how benötigen und bezahlen, um zu überleben!

In der Bildung genügt es nicht, die Schulgebäude zu renovieren, schönmalerische Plakate zu drucken oder die Lehrer über den grünen Klee zu loben (Bildungsministerium NRW). Unsere Bildungskonzepte und im Gefolge davon unsere Lehrer sind z. Zt. miserabel. Die PISA- und OECD-Berichte sind keine üble Nachrede! Das Personal der Lehrkräfte muss verdoppelt werden, so dass kleine, beinahe familiäre Gruppen unterrichtet werden können. Und die Unterrichtung unserer Jugend beginnt in der KiTa und reicht bis zur Uni! Neben der Lehre muss die Forschung üppigst gefördert werden. Unsere Nationen evolutionieren nur dank Aufklärung und Bildung zu Gesellschaften mit breitgestreuter Dominanz geistiger Fähigkeiten. In unserer Jugend – vom Kleinkind bis zum Twen – steckt ein gigantisches Bio-Potential: Dies im doppelten Sinn eines billionenfachen Euro-Gewinns und eines biologischen Schatzes!

Die Vorteile einer Berufsarmee müssen nicht ausführlich dargelegt werden: Sie schafft viele hunderttausend Arbeitsplätze. Die Soldaten erfahren eine andauernde berufliche Weiterbildung und Spezialisierung, sie werden zu echten Profis. Sie üben einen selbstgewählten Beruf aus und sind entsprechend motiviert, was von gezogenen Wehrpflichtigen nicht behauptet werden kann. Allerdings muss der Sold großzügig bemessen sein, um diesen Beruf als Lebensaufgabe zu begleiten. Er muss so großzügig sein, dass Politiker alles daran setzen, Kriegseinsätze und somit Truppenstärke und Soldausgaben verringern zu können.

Der Hang zur Kurzfristigkeit
Doch die Fußangel all dieser Arbeitsplatzmodelle liegt im Hang unserer Politik zur Kurzfristigkeit. Der flinke Erfolg und Profit versprechen den Politikern Lob und Wiederwahl. Doch nachhaltiger Gewinn braucht Zeit und Rat, wie jeder doch aus seiner eigenen, viele Jahre oder gar Jahrzehnte dauernden Aus- und Weiter-Bildung wissen könnte. Oder um ein biologisches Beispiel anzuführen: Ein Wald braucht viele Jahrzehnte, um als solcher gelten zu können. Wir müssen also hohe Beträge in die genannten Zukunftsträger stecken, um später dann allerdings fortwährenden Nutzen ziehen zu können. Wie die Natur einen steady state erreicht, wenn man sie gewähren lässt oder nachhaltig bewirtschaftet. So wird ein hohes Bildungs- und Ausbildungsniveau mit relativ immer geringeren Ausgaben immer größeren Gewinn abwerfen.

"Bescheidenheit"
Wir müssen Abschied nehmen vom Wahn des fortwährenden Wachstums! Nicht enden wollendes Wachstum ist Krebs. Dessen Wachstum endet mit der radikalen(!) Heilung oder dem Tod. Die Natur macht es uns mit dem erwähnten steady state vor. Immer fortschreitendes Wirtschaftswachstum gehört zur Vielfraß-Mentalität, vernichtet zunächst Ressourcen und Mitbewohner dieses Planeten, dann den Planeten selbst. Wir müssen bescheiden werden. Die Rohstoffreserven sind begrenzt, gehen spürbar zur Neige. Schauen wir von der Natur ab, was sie uns vormacht!

Durststrecke
Die Geldmittel zur Überbrückung der Durststrecke sind vorhanden, wie wir spätestens seit der aktuellen Unter­stützung des Finanzwesens und der Wirtschaft mit riesigen Kunjunkturprogrammen wissen. So verständlich der Wunsch und auch eine gewisse Notwendigkeit dieser Soforthilfen sind, es macht sich ein übles Unbehagen breit, dass die Verursacher der Krise "belohnt" und zu allem Verdruss auch noch "geschont" werden. Auch hier wieder die erpresserische Zwangslage, die von den Verantwortlichen wohl auch noch mit Hohn, Spott und Übermut quittiert wird, wie man aus den USA hört. Das Geld wirkt auf die Bankrotteure wie ein Signal: „Weiter so! Euch passiert schon nichts!“ Das Geld gehört in die aufgezählten Zukunftsbereiche und die Über­brü­ckungsphase, nicht in die Hände der Veruntreuer!

5. April 2009

 

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